EU AI Gigafactories: EuroHPC 2025

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Lisa Ernst · 10.12.2025 · Technik · 4 min

Die Europäische Union forciert den Aufbau von AI Gigafactories, um die Rechenleistung für das Training großer KI-Modelle in Europa zu sichern. Diese Initiative, die auf der EuroHPC-Verordnung basiert, zielt darauf ab, die technologische Autonomie und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit Europas zu stärken und den Zugang für Forschung und Unternehmen zu verbessern.

Einleitung

Die Diskussion über Künstliche Intelligenz (KI) verlagert sich zunehmend von Software zu Infrastruktur. Das Training großer KI-Modelle erfordert erhebliche Rechenleistung. Die EU reagiert darauf mit dem Aufbau von AI Gigafactories. Der Rat der Europäischen Union hat am 9. Dezember 2025 eine Position zu einer Änderung der EuroHPC-Verordnung angenommen, die den Aufbau dieser Gigafactories ermöglichen soll. Ziel ist es, großskalige Rechen- und Datenzentren zu schaffen, die das Training sehr großer Modelle in Europa realisierbar machen und damit die technologische Autonomie, wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und den Zugang für Forschung und Unternehmen stärken.

AI Gigafactories

AI Gigafactories sind als großskalige AI-Compute- und Storage-Infrastruktur konzipiert, die sehr große Modelle entwickeln, trainieren und betreiben kann. Sie bauen auf dem Konzept der bereits existierenden AI Factories auf, gehen aber deutlich darüber hinaus. Offizielle EU-Beschreibungen sprechen von Kapazitäten jenseits von 100.000 fortschrittlichen AI-Chips pro Anlage, während die leistungsstärksten AI Factories derzeit rund 25.000 Prozessoren umfassen. Die EU positioniert diese Infrastruktur als Weltklasse-Angebot für Forschung, Start-ups und Industrie, um europäische Anwendungen und Modelle zu ermöglichen, ohne vollständig von außereuropäischen Cloud- und Chip-Ökosystemen abhängig zu sein.

Übersicht der geplanten und bestehenden EuroHPC AI Gigafactories in Europa.

Quelle: eunews.it

Übersicht der geplanten und bestehenden EuroHPC AI Gigafactories in Europa.

Entwicklung

Die AI Factories sind ein laufendes EuroHPC-Programm, das AI-optimierte Supercomputer und Support-Services bündelt. Es soll insbesondere Start-ups, KMU und Forschung den Zugang erleichtern. Nach Angaben der EU wurden 19 AI Factories sowie 13 „AI Factory Antennas“ etabliert bzw. ausgewählt, um die Teilnahme weiterer Länder zu erleichtern. Die Gigafactories sollen dieses Netzwerk ergänzen, nicht ersetzen. Während AI Factories die breite, anwendungsnahe Basis bilden, sind Gigafactories als hochskalierte Trainings- und Entwicklungsumgebung für Frontier-Modelle gedacht.

Das EuroHPC AI Factories Ökosystem, symbolisiert durch ein Gehirn und vernetzte Supercomputer.

Quelle: fz-juelich.de

Das EuroHPC AI Factories Ökosystem, symbolisiert durch ein Gehirn und vernetzte Supercomputer.

Finanzierung

Die Kommission hat im Februar 2025 die InvestAI-Initiative vorgestellt, die insgesamt 200 Milliarden Euro an KI-Investitionen mobilisieren soll. Ein neuer europäischer Fonds von 20 Milliarden Euro ist speziell für AI Gigafactories vorgesehen. Diese Gigafactories sollen als große öffentlich-private Partnerschaften organisiert werden und eine Art „CERN für AI“ ermöglichen, um kooperative Entwicklung mit Zugang über einzelne Tech-Giganten hinaus zu fördern. Ergänzend dazu haben die Europäische Investitionsbank (EIB) und die Kommission am 4. Dezember 2025 ein Memorandum of Understanding angekündigt. Dieses Memorandum sieht Beratung und potenzielle Darlehen vor, um private Investitionen anzureizen. Das Ziel wird dort mit „bis zu fünf“ großen AI-Gigafactories beschrieben. Ein EuroHPC-Konsultationsdokument beziffert den Investitionsbedarf indikativ mit etwa 3–5 Milliarden Euro pro Gigafactory, wobei ein öffentlich-privates Modell vorgesehen ist und öffentliche Mittel Teile der CAPEX bis zu einer Obergrenze beitragen könnten.

Rechtlicher Rahmen

Die Kommission schlug im Juli 2025 vor, die EuroHPC-Verordnung gezielt zu ändern, da die bisherigen Mechanismen nicht für Aufbau und Betrieb von Gigafactories ausgelegt waren. Der Rat bestätigte diese Stoßrichtung im Dezember 2025 mit seiner Position und verankerte dabei auch einen eigenen Quantum-Pfeiler im EuroHPC-Rahmen. Laut Ratsmitteilung sieht der Text klare Regeln für Finanzierung und Beschaffung vor und enthält Schutzmaßnahmen für Start-ups und Scale-ups. Zudem soll es möglich werden, ungenutzte EU-Mittel auf Gigafactory-Projekte umzulenken und Multi-Site-Gigafactories über mehrere Länder hinweg zu erleichtern.

Das Logo des EuroHPC Joint Undertaking symbolisiert die europäische Initiative zur Entwicklung von Hochleistungsrechenzentren und KI-Infrastrukturen.

Quelle: user-added

Das Logo des EuroHPC Joint Undertaking symbolisiert die europäische Initiative zur Entwicklung von Hochleistungsrechenzentren und KI-Infrastrukturen.

Herausforderungen

Der strategische Nutzen der AI Gigafactories ist klar: Eigene Trainingskapazitäten erhöhen die Chance, dass europäische Unternehmen Modelle entwickeln, die besser zu EU-Regeln, Industriebedürfnissen und öffentlichen Aufgaben passen. Die Machbarkeit ist jedoch nicht trivial. Branchenbeobachter verweisen auf Engpässe bei modernen GPUs und auf die Frage, ob Europa ausreichend geeignete Standorte und Stromkapazitäten für solche Anlagen bereitstellen kann. Ein Artikel von Reuters vom März 2025 thematisiert diese Herausforderungen. Ob ein dauerhaft stärkeres europäisches KI-Ökosystem entsteht, hängt von drei praktischen Faktoren ab: verlässliche Chip- und Lieferketten, tragfähige Energie- und Standortkonzepte sowie ein Zugang, der Start-ups, Forschung und Industrie gleichermaßen erreicht.

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