NASAs Artemis-Plan: Beschleunigung des Weges zu einer Mondbasis

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Lisa Ernst · 28.03.2026 · Technologie · 11 Min.

Die Anziehungskraft des Mondes hat die Raumfahrtambitionen der Menschheit erneut in ihren Bann gezogen, und die Vereinigten Staaten verstärken durch die NASA ihre Bemühungen. Ich verfolge seit Jahren die Weltraumforschung und bin immer wieder von der schieren Kühnheit dieser Unternehmungen fasziniert. Nun erleben wir eine bedeutende strategische Umstellung, die durch einen erneuerten globalen Wettbewerb um die Präsenz auf dem Mond angetrieben wird.

Die NASA hat kürzlich eine beschleunigte und neu definierte Strategie für die Mondexploration und die Errichtung einer permanenten Mondbasis vorgestellt. Dieser ehrgeizige neue Plan zielt auf eine kontinuierliche menschliche Präsenz auf der Mondoberfläche innerhalb von sieben Jahren ab, ein dramatischer Bruch mit früheren Ansätzen. Die Agentur prognostiziert für dieses Unterfangen ein Budget von 20 Milliarden US-Dollar (17,6 Milliarden Euro). NASA-Chef Jared Isaacman, ein Milliardär und Amateurastronaut, der zuvor SpaceX-Missionen mitfinanzierte und eine SpaceX-Raumfahrt flog, stellte den überarbeiteten Plan während der „Ignition“-Veranstaltung in Washington D.C. vor. Experten bezweifeln jedoch die Machbarkeit einer so aggressiven Zeitplanung aufgrund der Notwendigkeit völlig neuer technischer Lösungen und des derzeitigen Mangels an zertifizierten Mondlandern, die Menschen und Material sicher auf die Mondoberfläche transportieren können.

Porträt von NASA-Chef Jared Isaacman. Das Bild zeigt einen Mann im Fluganzug mit verschränkten Armen vor einem unscharfen Hintergrund.

Quelle: adastraspace.com

NASA-Chef Jared Isaacman stellte den überarbeiteten Plan während der „Ignition“-Veranstaltung in Washington D.C. vor und skizzierte die ehrgeizige neue Mondstrategie der Agentur.

Kurze Zusammenfassung der überarbeiteten Mondstrategie der NASA

Kurswechsel: Vom Gateway zur permanenten Präsenz

Eine bedeutende Änderung in der Strategie der NASA ist die Priorisierung einer Oberflächenbasis gegenüber einer orbitalen Mondstation. Die Pläne für das „Lunar Gateway“, eine gemeinsame Raumstation zwischen Mond und Erde, sind nun ausgesetzt. Diese Entscheidung überraschte internationale Partner wie die ESA, Japan, Kanada und die Vereinigten Arabischen Emirate. Die ESA war beispielsweise für die Entwicklung der Wohn- und Arbeitsmodule (I-HAB-Modul und Lunar View-Modul) für das Lunar Gateway zuständig. Dennoch wird die ESA weiterhin das European Service Module liefern, das die Orion-Kapsel mit Energie versorgt, Sauerstoff liefert und deren Klima reguliert.

Die NASA wird nun untersuchen, wie die Konzepte und die bestehende Hardware des Lunar Gateways wiederverwendet oder umfunktioniert werden können. Diese Umstellung unterstreicht die gesteigerte Dringlichkeit, eine greifbare Präsenz auf der Mondoberfläche zu etablieren. Die Agentur strebt eine nahezu permanente Präsenz an. Grund für diese Planänderungen ist der verstärkte globale Wettbewerb im Weltraum, insbesondere mit China, das bis 2030 Menschen auf dem Mond landen will. Russland beabsichtigt ebenfalls, Menschen zum Mond zu schicken, stößt jedoch auf anhaltende Verzögerungen.

Drei Phasen zu einer permanenten Mondbasis

Der Bau der Mondbasis wird in drei verschiedenen Phasen erfolgen.

Phase 1: Festlegung der Grundlage

Die erste Phase konzentriert sich auf die Festlegung eines soliden Start- und Landeprozedurenplans sowie auf die Bereitstellung von Rovern und technischer Ausrüstung auf der Mondoberfläche. In dieser Phase wird die NASA Konzepte für Kommunikations-, Navigations- und Stromnetze entwickeln. Diese erste Phase wird auch regelmäßige unbemannte Flüge von kommerziellen Partnern umfassen, bei denen Robotersonden, Technologieprototypen, thermoelektrische Generatoren und andere Geräte zum Mond gebracht werden. Neue Navigations- und Kommunikationstechnologien werden getestet, und der VIPER-Rover, der ursprünglich für 2024 vorgesehen war, wird eingesetzt.

Phase 2: Bau einer semi-bewohnbaren Infrastruktur

Phase zwei beinhaltet den Bau der ersten Infrastruktur: eine „semi-bewohnbare“ Station. Diese Station wird temporäre Unterkünfte für Astronauten bieten und grundlegende Aktivitäten unterstützen. Die NASA plant, in dieser Phase mit internationalen Partnern, einschließlich der japanischen Raumfahrtagentur JAXA, zusammenzuarbeiten. Astronauten werden während Phase zwei wiederholt auf dem Mond landen, um die Basis vorzubereiten, und semi-bewohnbare Infrastrukturen wie ein von Japan entwickeltes Mondfahrzeug mit integrierten Lebenserhaltungssystemen nutzen.

Phase 3: Das permanente Mondhabitat

Schließlich umfasst Phase drei die Einrichtung eines permanenten Mondhabitats. Diese permanente Basis wird Stromgeneratoren, bemannte und unbemannte Rover sowie ein Kommunikationsnetzwerk, ähnlich einem Mobilfunknetz, umfassen. Die NASA beabsichtigt, mit privaten Unternehmen und internationalen Partnern zusammenzuarbeiten, um diese letzte Phase umzusetzen. Hardware für die Mondbasis wird auch von internationalen Partnern stammen, darunter Mehrzweckhabitate aus Italien und ein Mondfahrzeug aus Kanada. Diese Phase stellt den Übergang von periodischen Expeditionen zu einer permanenten Mondstation dar und erfordert die Entwicklung von Schwerlast-Landern.

Ziel: Der Südpol des Mondes

Die Mondbasis wird am Südpol des Mondes errichtet. Diese Region gilt als vielversprechend, da in tiefe, schattige Krater Eis vermutet wird, das als Ressource genutzt werden könnte. Darüber hinaus bieten erhöhte Bereiche am Südpol kontinuierliches Sonnenlicht, das für die Stromversorgung von Solarzellen entscheidend ist. Die präzise Landung von Materialien und Ausrüstung am Südpol stellt jedoch eine erhebliche technische Herausforderung dar.

Beschleunigte Artemis-Missionen und kommerzielle Partnerschaften

Das Artemis-Programm wurde erheblich überarbeitet. Während die Artemis 3-Mission ursprünglich für eine bemannte Mondlandung nicht vor 2028 geplant war, wurde sie nun auf 2027 vorgezogen, obwohl sie keine Landung beinhalten wird. Stattdessen wird bei Artemis 3 die „Orion“-Kapsel im All mit einem oder zwei Mondlandern von SpaceX und Blue Origin ankoppeln. Diese Mission zielt darauf ab, Systeme und operative Fähigkeiten im niedrigen Erdorbit zu testen und den Weg für die Landung von Artemis 4 zu ebnen. Artemis 3 wird ein Rendezvous und Docking mit kommerziellen Landern, In-Orbit-Tests der angedockten Fahrzeuge, integrierte Überprüfungen der Lebenserhaltungs-, Kommunikations- und Antriebssysteme sowie Tests neuer xEVA-Anzüge umfassen.

Im Jahr 2028 rechnet die NASA mit potenziell zwei Mondlandungsversuchen: „Artemis 4“ und „Artemis 5“. Die Agentur plant, dass Landungen zunächst alle sechs Monate stattfinden, mit der Möglichkeit einer noch engeren Zeitplanung. Die Mission „Artemis 2“ soll so schnell wie möglich starten. Diese Mission wird die erste bemannte Umrundung des Mondes seit über einem halben Jahrhundert sein. Die US-Astronauten Christina Koch, Victor Glover und Reid Wiseman werden zusammen mit ihrem kanadischen Kollegen Jeremy Hansen an der rund zehntägigen Mission um den Mond teilnehmen. Zuletzt betraten US-Astronauten 1972 den Mond. Der Start von Artemis 2 hat sich aufgrund technischer Probleme verzögert. Der frühestmögliche Starttermin für Artemis 2 ist derzeit der 1. April. Das Raketensystem für Artemis 2 kehrte in den Hangar zurück, um ein Problem mit der Heliumversorgung zu beheben.

Porträt der Artemis-II-Besatzung. Das Bild zeigt vier Astronauten in orangefarbenen Anzügen, professionell posiert.

Quelle: newsforkids.net

Die Artemis-2-Mission wird die erste bemannte Umrundung des Mondes seit über einem halben Jahrhundert sein, mit einer Besatzung von vier Astronauten.

Die NASA strebt eine drastische Erhöhung der Frequenz unbemannter Mondflüge auf einmal pro Monat an. Um ihre ehrgeizigen Ziele zu erreichen und einen Vorsprung vor China zu halten, plant die NASA, ihre Artemis-Missionen zu beschleunigen und effizienter zu gestalten. Zukünftig wird eine Artemis-Mission jährlich stattfinden, mit einer zusätzlichen Testmission im Jahr 2027 im Erdorbit.

Der langfristige Plan sieht den schrittweisen Ersatz der eigenen SLS-Rakete der NASA durch Launcher von Blue Origin und SpaceX vor. Beide Unternehmen bauen derzeit Mondlander für die NASA. SpaceX ist mit seinem 50 Meter hohen Starship als Lander für Artemis vorgesehen, komplett mit einer Liftvorrichtung für den Abstieg zur Oberfläche. Sowohl SpaceX als auch Blue Origin haben den überarbeiteten Plan der NASA begrüßt.

Wir sind dabei!
Blue Origin
Blue Origin
Luft- und Raumfahrthersteller

SpaceX erklärte, dass sie „dasselbe Ziel wie die NASA verfolgen, nämlich so schnell und sicher wie möglich mit einer dauerhaften Präsenz zum Mond zurückzukehren“.

Rendering des SpaceX Starship Mondlanders. Das Bild zeigt ein einzelnes hohes Raumschiff, das auf einer kargen Mondoberfläche steht.

Quelle: popsci.com

Das 50 Meter hohe Starship von SpaceX ist als Lander für Artemis vorgesehen, komplett mit einer Liftvorrichtung für den Abstieg zur Mondoberfläche.

Nuklearer Antrieb und Kommerzialisierung des Weltraums

Die NASA plant auch die Integration von Atomkraft für die Mondbasis zur kontinuierlichen Energieversorgung. Darüber hinaus beabsichtigt die Agentur, bis 2028 im Rahmen der „Skyfall“-Mission das erste nuklear angetriebene Raumschiff, das „Space Reactor 1 (SR-1)“, zum Mars zu schicken. Die SR-1 „Freedom“ wird einen 20-Kilowatt-Kernreaktor mit niedrig angereichertem Uran und Uranoxid enthalten, um Strom für ihr elektrisches Antriebssystem zu erzeugen. Diese Mission wird auch mehrere Mars-Hubschrauber, ähnlich „Ingenuity“, auf dem Planeten absetzen. Die Nutzung von Kernreaktoren in Raumsonden ist aufgrund des Risikos einer radioaktiven Kontamination bei einem Ausfall nicht unumstritten. Der nuklear-elektrische Antrieb bietet jedoch erhebliche Vorteile für den Transport von Nutzlasten im tiefen Weltraum und für hochenergetische Missionen jenseits des Jupiters.

Für den Erdorbit und die Internationale Raumstation (ISS) sehen neue Pläne einen schrittweisen Übergang zu einer kommerziellen Orbitalstation vor. Die NASA wird ein staatseigenes Kernmodul in Auftrag geben, das an die ISS angedockt werden kann. Kommerzielle Module werden zunächst ebenfalls an der ISS getestet. Nach erfolgreichen Tests werden diese neuen Komponenten von der ISS abgetrennt und bilden unabhängige Raumstationen. In diesem Szenario würde die NASA „nur noch einer von vielen Kunden, die kommerzielle Dienstleistungen nutzen“ werden.

Wichtige Artemis-Missionen und Meilensteine

Mission Zieltermin Hauptziel Wichtige Details
Artemis 2 1. April (frühestens) Erster bemannter Flug um den Mond seit über 50 Jahren Besatzung von vier Personen (3 US, 1 Kanadisch) für ca. 10-tägige Mission. Verschiebung aufgrund technischer Probleme.
Artemis 3 2027 Test von kommerziellen Landern und operativen Fähigkeiten im Erdorbit Keine Mondlandung. Orion-Kapsel dockt an SpaceX/Blue Origin-Lander an.
Artemis 4 & 5 2028 Mondlandungsversuche Potenziell zwei Landungsversuche. Geplant zunächst alle sechs Monate.
Betrieb Mondbasis 2029 Erste Betriebsfähigkeit der Mondbasis Fokus auf Oberflächeninfrastruktur am Südpol.
Stationierung von Astronauten 2032 Phasenweise Stationierung von Astronauten auf der Mondbasis Übergang zur permanenten menschlichen Präsenz.
Space Reactor 1 (SR-1) 2028 Test des nuklearen Antriebs und Einsatz von Mars-Hubschraubern Erstes nuklear angetriebenes Raumschiff zum Mars im Rahmen der „Skyfall“-Mission.

Häufig gestellte Fragen

Warum beschleunigt die NASA ihre Pläne für eine Mondbasis?

Die Beschleunigung wird hauptsächlich durch den verstärkten globalen Wettbewerb im Weltraum vorangetrieben, insbesondere durch China, das bis 2030 Menschen auf dem Mond landen will. Die NASA möchte ihre Führungsrolle in der Weltraumforschung aufrechterhalten.

Was ist der Hauptunterschied zwischen dem neuen Plan und früheren Plänen?

Der neue Plan priorisiert die Errichtung einer permanenten menschlichen Präsenz direkt auf der Mondoberfläche, insbesondere am Südpol, gegenüber dem Bau einer orbitalen Station wie dem Lunar Gateway. Dies stellt eine Verlagerung hin zu greifbarer Oberflächeninfrastruktur dar.

Welche Rolle spielen private Unternehmen wie SpaceX und Blue Origin?

Die NASA setzt zunehmend auf kommerzielle Partner für Schlüsselkomponenten und Dienstleistungen, einschließlich Mondlandern und Startmöglichkeiten. Sowohl SpaceX (mit seinem Starship) als auch Blue Origin entwickeln Lander für die Artemis-Missionen, und ihre Beteiligung ist für die beschleunigte Zeitplanung entscheidend.

Was sind die größten Herausforderungen dieses ehrgeizigen Plans?

Experten verweisen auf die Notwendigkeit völlig neuer technischer Lösungen, den derzeitigen Mangel an zertifizierten Mondlandern für den sicheren Transport von Menschen und Material sowie die ehrgeizige Zeitplanung als bedeutende Herausforderungen. Finanzierung und internationale Koordination stellen ebenfalls Komplexitäten dar.

Schlussfolgerung

Die Strategieänderung der NASA, die auf der „Ignition“-Veranstaltung öffentlich bekannt gegeben wurde, spiegelt eine entschlossene Bewegung zur Beschleunigung ihrer Mondambitionen und zur Festigung Amerikas Führung im Weltraum wider. Der Anstoß für diese Veränderung liegt im globalen Weltraumrennen, insbesondere bei den beschleunigten Bemühungen Chinas. Obwohl der Plan ehrgeizig ist, mit einem voraussichtlichen operativen Datum für die Mondbasis bis 2029 und einer phasenweisen Astronautenstationierung bis 2032, bleiben Experten skeptisch hinsichtlich des engen Zeitplans.

Der Plan kann nicht funktionieren.
Mike Griffin
Mike Griffin
Ehemaliger NASA-Administrator

Die NASA hofft jedoch, durch Straffung ihrer Pläne Zeit zu sparen und sich einen Vorsprung zu sichern. Die Jahre 2026 und 2027 werden entscheidend für die Umsetzung dieser ehrgeizigen Ziele sein.

Sources:

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