Waymo: Dienst wieder aufgenommen?

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Lisa Ernst · 22.12.2025 · Auto & Mobilität · 7 min

Am Wochenende des 20. Dezember 2025 erlebte San Francisco einen großflächigen Stromausfall, der weite Teile der Stadt lahmlegte. Inmitten des Chaos aus dunklen Kreuzungen und hupenden Autos fielen besonders die Robotaxis von Waymo auf, die vielerorts zum Stillstand kamen. Was auf den ersten Blick wie ein Versagen autonomer Technologie wirkte, entpuppte sich als Stresstest für das Zusammenspiel von autonomem Fahren und städtischer Infrastruktur. Dieser Vorfall beleuchtete die Abhängigkeiten autonomer Systeme von externen Bedingungen und warf Fragen zur Sicherheit und Regulierung in Ausnahmesituationen auf.

Einführung

Der Stromausfall in San Francisco am 20. Dezember 2025, bei dem dunkle Kreuzungen und hupende Autos das Stadtbild prägten, stellte eine besondere Herausforderung für die dort operierenden Robotaxis dar. Waymo-Fahrzeuge blieben vielerorts stehen, was die Diskussion um autonomes Fahren und seine Grenzen neu entfachte. Dieser Vorfall, der wie ein „Edge Case“ anmutete, war tatsächlich ein Stresstest für eine ganze Mobilitäts-Idee, bei der autonome Technologie auf eine plötzlich unzuverlässige Infrastruktur trifft.

Der Stromausfall in San Francisco

Am Samstag, dem 20. Dezember 2025, traf ein großer Stromausfall weite Teile San Franciscos und legte zeitweise rund ein Drittel der PG&E-Kundschaft in der Stadt lahm. PG&E und die Stadt sprachen in der Spitze von rund 130.000 betroffenen Kund:innen; am Sonntagmorgen waren laut PG&E bereits etwa 110.000 wieder versorgt, während Zehntausende zeitweise ohne Strom blieben. Der Ausfall führte zu Störungen im Stadtleben, unter anderem zu Verkehrsstaus und teils geschlossenen Geschäften. Besonders sichtbar wurde das Problem an Kreuzungen, weil Ampeln ausfielen oder dunkel blieben.

Die Ursache des Blackouts war ein Brand in einer Umspannstation, der laut PG&E „significant and extensive“ Schäden verursachte. Mehrere Berichte verorteten das Ereignis an der Substation bei 8th Street und Mission Street, wo die Feuerwehr wegen eines Feuers im Einsatz war. Auch die San Francisco Chronicle beschrieb einen (mit-)auslösenden Brand an einer PG&E-Substation in diesem Bereich, während PG&E die Gesamtursache weiter untersuchte.

Waymos Reaktion und Verhalten

Waymo kam nicht als Auslöser, sondern als Verstärker im Straßenbild ins Spiel. Videos und Fotos zeigten Waymo-Fahrzeuge, die an dunklen Kreuzungen stehen blieben, teils mit Warnblinkanlage, während andere Autos drum herum navigieren mussten. Der Guardian berichtete von „clusters“ aus mehreren immobilen Robotaxis, die bei Regen an Kreuzungen standen und den Verkehr aufstauten. ABC7 dokumentierte ebenfalls, dass Waymo-Fahrzeuge an Kreuzungen festsaßen, nachdem Ampeln ausfielen.

Waymo-Fahrzeuge in San Francisco

Quelle: automobilwoche.de

Waymo-Fahrzeuge sind ein vertrauter Anblick in den Straßen von San Francisco und anderen Städten, in denen der autonome Fahrdienst operiert.

Waymo stoppte daraufhin den fahrerlosen Ride-Hailing-Betrieb in San Francisco am Samstagabend vorübergehend. Eine Waymo-Sprecherin sprach von einer temporären Aussetzung der Dienste „due to the widespread power outage“ und betonte die Koordination mit Stadtstellen. Laut San Francisco Chronicle pausierte Waymo proaktiv; die meisten laufenden Fahrten seien beendet worden, bevor Fahrzeuge sicher ins Depot zurückkehrten oder anhielten. TechCrunch schrieb, Waymo habe erst am späten Sonntagnachmittag (21. Dezember 2025) mitgeteilt, den Dienst wieder aufzunehmen. Die San Francisco Chronicle meldete ebenfalls, dass Waymo den Betrieb am Sonntag wieder startete, nachdem die Stromversorgung für viele Teile der Stadt zurückkam.

Autonomes Fahren und Infrastruktur

Wenn ein Robotaxi bei Blackout stehen bleibt, ist das nicht zwingend ein Versagen, sondern oft Absicht. Wenn eine Ampel ausfällt, erwartet das Gesetz in Kalifornien von Menschen, die Kreuzung wie eine All-Way-Stop-Situation zu behandeln: anhalten und erst weiterfahren, wenn es sicher ist. Caltrans formuliert dieselbe Grundregel für Stromausfälle: Flashing Red oder komplett dunkle Signale werden wie Stop-Schilder behandelt. Waymo sagt laut Chronicle, die Fahrzeuge seien genau dafür ausgelegt: Nicht funktionierende Signale werden als Four-Way-Stop behandelt.

Komplexe Stadtumgebung

Quelle: latimes.com

Die komplexe Umgebung einer Großstadt stellt autonome Fahrzeuge vor ständige Herausforderungen, die eine präzise Reaktion erfordern.

Eine einzelne dunkle Kreuzung ist jedoch etwas anderes als ein Stadtteil voller ausgefallener Ampeln – plus Regen, plus Feiertagsverkehr, plus Menschen, die gleichzeitig improvisieren. In so einer Lage kann „vorsichtig“ schnell zu „zu vorsichtig“ werden: Wenn das System keine eindeutige Vorfahrt-Situation erkennt, ist Stillstand oft die sicherste Option – aber für den Verkehrsfluss die schlechteste. Menschen lösen dunkle Kreuzungen häufig über Blickkontakt, Gesten, eine kurze Welle mit der Hand oder „mutiges“ Anrollen – Dinge, die rechtlich nicht immer sauber, aber praktisch wirksam sind. Ein Robotaxi darf sich solche impliziten Deals nur leisten, wenn es sie zuverlässig erkennt und korrekt einordnet – und genau das ist in unübersichtlichen Situationen extrem schwer.

San Franciscos Bürgermeister Daniel Lurie bat die Bevölkerung laut Guardian, wegen ausgefallener Ampeln möglichst nicht zu fahren; gleichzeitig wurden Polizist:innen zu großen Kreuzungen geschickt. Reuters berichtete ebenfalls, dass offizielle Stellen rieten, unnötige Fahrten zu vermeiden und ausgefallene Signale wie Vier-Wege-Stopps zu behandeln. Wenn die Stadt schon Menschen an Kreuzungen stellt, zeigt das: Ohne funktionierende Signalinfrastruktur wird Verkehr schnell zur manuellen Krisenarbeit – und autonome Systeme sind dann nur ein Teil des Problems, aber auch nicht automatisch die Lösung.

Technologie und Abhängigkeiten

Waymo setzt auf einen Sensor-Mix aus Lidar, Kameras und Radar und beschreibt das als Grundlage, um die Umgebung dreidimensional zu erfassen und zuverlässig zu navigieren. Auch in der Waymo-Hilfe werden Lidar, Kameras und Radar als zentrale Sensorik für das „Sense“-Modul genannt. Trotzdem hängt der Betrieb im Alltag an mehr als nur „sehen“. Waymo beschreibt in einem aktuellen technischen Beitrag, dass Systeme u. a. hochauflösende Karten/Map-Repräsentationen erzeugen bzw. nutzen, um Verhalten vorherzusagen und Trajektorien zu planen. Wenn Ampeln ausfallen, fehlt nicht nur ein Lichtsignal, sondern oft die gesamte „Ordnungsschicht“ einer Kreuzung: Wer hat Vorfahrt, wer darf zuerst, wer wird gesehen, wer zögert?

Waymo Sensorik

Quelle: vuink.com

Die hochentwickelte Sensorik auf dem Dach der Waymo-Fahrzeuge ist das Herzstück der autonomen Fahrtechnologie und entscheidend für die Navigation und Sicherheit.

Der Guardian bringt es auf den Punkt: Der Ausfall habe sichtbar gemacht, wie stark autonome Fahrzeuge von umgebender Infrastruktur abhängig sind – also von Dingen, die Waymo nicht kontrolliert. Interessant ist dabei auch, wie Autonomie in der Praxis „abgesichert“ wird. Waymo beschreibt sein Remote-Assistance-Programm („Fleet Response“) als Möglichkeit, bei seltenen oder schwierigen Situationen zusätzliche Kontextinfos von menschlichen Agent:innen zu erhalten, ohne dass diese das Fahrzeug steuern. Das ist kein „Fernlenken“, sondern ein Sicherheitsnetz für Grenzfälle – und genau solche Grenzfälle produziert ein stadtweiter Blackout im Dutzend.

Regulierung und politische Implikationen

Waymo fährt in San Francisco nicht im „Test-Modus“, sondern als kommerzieller Dienst. Die kalifornische Regulierungsbehörde CPUC genehmigte Waymo bereits 2023, in San Francisco mit driverless Fahrzeugen Fahrpreise für Personenbeförderung zu verlangen. Parallel veröffentlicht die California DMV für Waymo genehmigte Betriebsgebiete (ODD-Karten) und Rahmenbedingungen für driverless Testing und Deployment. Und Waymo bewirbt die Ride-Hailing-Option in San Francisco offen als verfügbare, autonome Dienstleistung.

In diesem Kontext wirkt ein Blackout-Stillstand anders als ein gewöhnlicher „Bug“. Sobald ein System Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge wird – Mobilität, Rettungswege, Verkehrssicherheit – wird jede Störung zur Frage nach Pflichten: Wer muss was garantieren, und was passiert, wenn die Stadt selbst (Strom/Ampeln) ausfällt? Die San Francisco Chronicle beschreibt ausdrücklich, dass der Blackout die Debatte darüber neu anheizt, wie autonome Fahrzeuge bei großflächigen Infrastruktur-Ausfällen funktionieren.

Der Stromausfall in San Francisco war kein „Waymo-Problem“, aber er hat ein echtes Autonomie-Problem sichtbar gemacht: Robotaxis können noch so gut fahren – wenn die Stadt um sie herum ihre grundlegenden Signale verliert, wird aus Routineverkehr eine Ausnahmelage. Waymo reagierte mit einer Pause und nahm den Dienst erst wieder auf, als sich die Lage stabilisierte – ein vernünftiger Schritt, der gleichzeitig zeigt, wie eng Autonomie und Infrastruktur im Alltag miteinander verheiratet sind. Die Lehre ist unbequem, aber klar: Nicht nur das Auto muss autonom sein – auch die Stadt muss ausfallsicherer werden, wenn wir autonome Mobilität wirklich als verlässlichen Teil des Systems behandeln wollen.

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