Celestial AI: Eine Einführung

Avatar
Lisa Ernst · 07.12.2025 · Technik · 5 min

Celestial AI wird oft missverstanden. Das Unternehmen entwickelt keine neuen KI-Modelle oder Chatbots, sondern die grundlegende Infrastruktur, die moderne KI-Rechenleistung skalierbar macht. Im Kern geht es um eine optische Interconnect-Plattform namens „Photonic Fabric“, die Bandbreiten-, Latenz- und Energieprobleme in KI-Rechenzentren adressiert. Diese Technologie ist entscheidend, da die Leistungsfähigkeit großer KI-Systeme zunehmend durch den Datentransport zwischen Compute und Memory begrenzt wird.

Einführung

Celestial AI ist ein Halbleiter- und Infrastrukturanbieter, der eine optische Interconnect-Plattform namens „Photonic Fabric“ für KI-Compute- und Memory-Systeme entwickelt. Diese Technologie soll die wachsenden Bandbreiten-, Latenz- und Energieprobleme in AI-Rechenzentren lösen. Zu den Produkten gehören PFLink (Connectivity), PFSwitch (Scale-up-Switch) und OMIB (In-Package-Interconnect). Im März 2025 sicherte sich Celestial AI eine Series-C1-Finanzierungsrunde über 250 Millionen US-Dollar, angeführt von Fidelity Management & Research Company, wodurch das eingeworbene Kapital auf über 515 Millionen US-Dollar stieg.

Die Relevanz dieser Technologie ergibt sich aus der Tatsache, dass die Leistungsfähigkeit großer KI-Systeme nicht nur durch Rechenchips begrenzt wird, sondern zunehmend durch den Transport von Daten zwischen Compute und Memory. Celestial AI bezeichnet dieses Problem als „Memory Wall“ und argumentiert, dass klassische kupferbasierte Verbindungen im Scale-up-Kontext an physikalische und ökonomische Grenzen stoßen. Dies wird besonders deutlich, wenn Hyperscaler Racks mit Dutzenden von Beschleunigern zu sehr großen Clustern verbinden wollen. Jeder Datendurchsatz, jedes Watt, jede Nanosekunde Latenz und jeder Zentimeter Reichweite wird hier zu einer kritischen Designfrage.

Photonic Fabric

Quer – Die Photonic Fabric™-Technologie von Celestial AI ermöglicht eine revolutionäre Skalierung von KI-Rechenzentren.

Quelle: finance.technews.tw

Die Photonic Fabric™-Technologie von Celestial AI ermöglicht eine revolutionäre Skalierung von KI-Rechenzentren.

Photonic Fabric ist eine optische Interconnect-Technologie, die Datenübertragung mit Licht statt ausschließlich mit elektrischen Signalen ermöglicht. Celestial AI klassifiziert die Technologie als Scale-up-Netzwerkansatz, der von der Verbindung innerhalb von Packages bis zu Multi-Rack-Architekturen reichen soll. Marvell beschreibt in seiner Übernahme-Mitteilung, dass Celestial-AI-Chiplets für optische Scale-up-Interconnects für die Co-Packaging-Integration mit leistungsstarken XPUs und Scale-up-Switches ausgelegt sind. Eine erste Chiplet-Generation soll 16 Terabit pro Sekunde Bandbreite in einem einzelnen Chiplet liefern. Diese Angaben sind Teil der von Marvell kommunizierten Technologie- und Marktstory zur Transaktion.

Im Wesentlichen will Celestial AI die Datenpfade zwischen Rechenbeschleunigern und Speicherressourcen so optimieren, dass große KI-Modelle weniger Zeit mit dem Warten auf Daten verbringen. Sollten sich diese Architekturversprechen in der Produktion bewähren, würde dies nicht die GPU ersetzen, sondern die Skalierung großer Systeme effizienter gestalten.

Marvell-Übernahme

Quer – Marvell und Celestial AI: Eine strategische Allianz für die Zukunft der KI-Infrastruktur.

Quelle: convergedigest.com

Marvell und Celestial AI: Eine strategische Allianz für die Zukunft der KI-Infrastruktur.

Am 2. Dezember 2025 kündigte Marvell die Übernahme von Celestial AI für eine anfängliche Gegenleistung von rund 3,25 Milliarden US-Dollar an. Die Struktur umfasst 1,0 Milliarde US-Dollar in bar sowie etwa 27,2 Millionen Marvell-Aktien im Gegenwert von rund 2,25 Milliarden US-Dollar. Marvell erwartet den Abschluss der Transaktion im ersten Quartal 2026.

Marvell gab zudem bekannt, dass Celestial AI bereits eng mit mehreren Hyperscalern und Partnern für künftige Scale-up-Architekturen zusammenarbeitet. Aus Marvells Sicht soll die Photonic-Fabric-Technologie ab der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres 2028 spürbar zum Umsatz beitragen, mit einem annualisierten Run Rate-Ziel von 500 Millionen US-Dollar im vierten Quartal FY2028 und 1 Milliarde US-Dollar im vierten Quartal FY2029. Diese Zeitachse ist eine Unternehmensprognose und hängt von Produkt- und Marktreife ab.

Quer – Die strategische Allianz zwischen Marvell und Celestial AI, die die Zukunft der optischen Konnektivität prägt.

Quelle: user-added

Die strategische Allianz zwischen Marvell und Celestial AI, die die Zukunft der optischen Konnektivität prägt.

Unabhängige Berichte ergänzen, dass Marvell im Zusammenhang mit der Transaktion auch eine Aktien-Warrant-Vereinbarung mit Amazon kommuniziert hat, die an künftige Käufe photonic-bezogener Produkte gekoppelt sein soll. Dies unterstreicht, dass der Deal nicht nur eine Technologie-Akquisition ist, sondern auch ein Signal an große Rechenzentrums-Kunden.

Mythen und Realität

Celestial AI ist kein Anbieter eines eigenen generativen KI-Modells und kein Chatbot-Produkt. Der Kern des Unternehmens liegt in optischer Konnektivität, Switching- und Packaging-Ansätzen für Scale-up-KI-Infrastruktur.

Photonic Fabric bedeutet nicht, dass elektrische Interconnects sofort verschwinden oder dass bestehende GPU-Ökosysteme obsolet werden. Marvell stellt die Technologie vielmehr als nächsten Schritt dar, wenn Kupfer-Links Reichweite und Bandbreite moderner Rack-Architekturen nicht mehr effizient abdecken.

Auch die häufige Annahme, „Photonik sei reine Forschung“, greift zu kurz. Marvell argumentiert ausdrücklich mit Kundentraktion und der Erwartung einer großskaligen kommerziellen Einführung optischer Scale-up-Interconnects.

Häufig gestellte Fragen

Hier finden Sie Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen zu Celestial AI und Photonic Fabric.

What is Celestial AI in einem Satz?
Celestial AI entwickelt mit Photonic Fabric eine optische Interconnect-Plattform, die die Verbindung zwischen KI-Compute und Speicher in großen Scale-up-Systemen effizienter machen soll.

Was genau ist „Photonic Fabric“?
Photonic Fabric ist laut Celestial AI eine Technologie-Suite aus Konnektivität, Switching und Packaging, die optische Verbindungen in und zwischen KI-Systemen ermöglicht.

Welche konkreten Bausteine nennt Celestial AI?
Das Unternehmen listet PFLink, PFSwitch und OMIB als Produktformen bzw. Lösungsbausteine der Plattform.

Warum braucht man solche Ansätze überhaupt?
Celestial AI begründet die Notwendigkeit mit steigenden Clustergrößen und den Grenzen klassischer kupferbasierter Verbindungen in Bandbreite, Energieverbrauch und Skalierung.

Wer hat Celestial AI übernommen?
Marvell Technology hat die Übernahme von Celestial AI am 2. Dezember 2025 angekündigt.

Wie groß ist der Deal?
Die anfängliche Gegenleistung liegt laut Marvell bei etwa 3,25 Milliarden US-Dollar.

Wie setzt sich die Gegenleistung zusammen?
Marvell nennt 1,0 Milliarde US-Dollar in bar und rund 27,2 Millionen Aktien als Bestandteile der Upfront-Struktur.

Wann soll die Übernahme abgeschlossen werden?
Marvell erwartet den Abschluss im ersten Quartal 2026.

Gibt es Hinweise auf reale Kundenintegration?
Marvell berichtet, Celestial AI sei bereits mit mehreren Hyperscalern und Ökosystempartnern für kommende Scale-up-Architekturen engagiert.

Wie sieht Marvell die Umsatzperspektive?
Marvell erwartet erste bedeutende Umsatzbeiträge ab der zweiten Hälfte FY2028 und kommuniziert Run-Rate-Ziele bis FY2029.

Fazit

Celestial AI ist kein weiteres KI-Produkt für Endnutzer, sondern ein Infrastrukturversuch, die Datenbewegung im KI-Rechenzentrum neu zu denken. Die Kombination aus hoher Finanzierung, klarer Produktstory und der Übernahme durch Marvell deutet darauf hin, dass optische Scale-up-Verbindungen von der Vision in die nächste Kommerzialisierungsphase rutschen.

Für Leserinnen und Leser, die sich fragen, „what is celestial ai“: Die kurze Antwort lautet, dass hier nicht die nächste Modell-Generation entsteht, sondern eine mögliche Antwort auf die physikalischen Grenzen heutiger KI-Systemarchitekturen. Ob Photonic Fabric den Anspruch in großem Maßstab erfüllt, wird sich an realen Deployments der nächsten Jahre messen lassen, nicht an Slogans.

Teilen Sie doch unseren Beitrag!